Der Psychologe

Die Berufsbezeichnung des Diplom-Psychologen ist geschützt, seit 1985 gilt dies ebenfalls für den Begriff Psychologe, der ebenfalls erst bei Nachweis der entsprechenden Ausbildung getragen werden darf. Im folgenden werde ich die männliche Form der Berufsbezeichnung verwenden, sie soll für beide Geschlechter gleichermaßen gelten.


Das Aufgabenfeld der Psychologen ist unterschiedlicher als in den meisten anderen Berufen. Aufbauend auf ein naturwissenschaftlich geprägtes Universitätsstudium (siehe hier)  sind Weiterbildungsmaßnahmen ebenso möglich, wie der direkte Berufseinstieg. Die Tätigkeitsfelder der deutschen Psychologen verteilen sich dabei wie folgt (Unimagazin 2003):

medizinische, therapeutische Tätigkeiten 45%
soziale Aufgaben, Betreuung 30%
Aus- und Weiterbildung 10%
Forschung 8%
sonstige Aufgaben (z.B. Kriminalpsychologie, Verkehrspsychologie) 2%
Verwaltung 5%


Psychotherapie

Um in Deutschland psychotherapeutisch tätig werden zu können, bedarf es einer staatlichen Genehmigung. Um diese Genehmigung zu erhalten, sind bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen, die zum einen im Psychotherapeutengesetz und zum anderen im Heilpraktikergesetz beschrieben  sind.

Das Psychotherapeutengesetz fordert eine mehrjährige Zusatzausbildung nach einem Psychologie- oder Medizinstudium mit einem großen theoretischen und praktischen Anteil. Die Absolventen sind berechtigt, den Titel des psychologischen oder medizinischen Psychotherapeuten zu führen, der gesetzlich geschützt ist. Für eine Weiterbildung zum Kinder- und Jugendpsychotherapeuten wird auch ein Studium der Pädagogik oder Sozialpädagogik als Grundausbildung anerkannt.

Es existieren verschiedene Arten von Psychotherapien, die allerdings im Rahmen des Gesetzes nicht alle Ausbildungsgegenstand sein dürfen. Möglich ist nur die Weiterbildung in einem der drei wissenschaftlich anerkannten Verfahren. Aktuell sind dies:

  • analytische Psychotherapie
  • tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (noch)
  • und Verhaltenstherapie

Für diese Verfahren gilt gleichzeitig, dass nur Interventionen in ihrem schulischen Rahmen mit der Krankenkasse abgerechnet werden können. Neben diesen Therapiemethoden existiert noch eine sehr große Bandbreite weiterer Verfahren, die allerdings nicht wissenschaftlich anerkannt sind und allgemein in ihren Kosten nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Der kritische Leser wird bemerkt haben, dass auch die tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Verfahren im Rahmen der Psychotherapeutenausbildung gelehrt werden dürfen, obwohl diese nach dem Stand der Gegenwartsforschung eher als unwirksam gelten - und nicht zuletzt keine fachpsychologischen Grundlagen haben. Dass dennoch eine Fortbildung zum Psychoanalytiker bzw. tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapeuten möglich ist, hat mittlerweile nur noch historische Gründe.

Um eine psychotherapeutische Maßnahme als Leistung einer Krankenkasse in Anspruch nehmen zu können, sind verschiedene Voraussetzungen zu erfüllen: zum einen muss es sich um eines der genannten drei anerkannten Verfahren handeln, der behandelnde Therapeut muss über eine Approbation verfügen und schließlich muss ein Antragsverfahren bewilligt werden.

Die Approbation ist eine der möglichen staatlichen Erlaubnisse, um Heilkunde ausüben zu dürfen. Ursprünglich war sie den Ärzten vorbehalten, seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) ist es auch Psychologen und eingeschränkt auch Pädagogen und Sozialpädagogen möglich, die Approbation zu beantragen. Die Approbation erlaubt die Niederlassung an einem bestimmten Ort und die Teilnahme an der gesetzlichen Krankenversorgung. Nur wenn eine Heilbehandlung durch einen approbierten Therapeuten erfolgt, ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen möglich. Die Approbation ist für Psychologen ungleich schwerer zu erlangen als wie für einen Arzt. Da das PsychThG eine mehrjährige Ausbildung an einem Ausbildungsinstitut vorschreibt, ist ein Einkommenserwerb während dieser Zeit oft nicht möglich und zusätzlich fallen Ausbildungsgebühren in Höhe von mehreren zehntausend Euro an - Ärzte, die sich zum Facharzt für Psychotherapie ausbilden lassen möchten, machen dies hingegen im Rahmen einer bezahlten klinischen Anstellung und haben keine weiteren Ausbildungsgebühren zu erbringen.

Das Heilpraktikergesetz (HPG) ermöglicht neben dem aufgezeigten Weg auch Menschen ohne eine entsprechende Grundausbildung eine Erlaubnis zu Behandlung mit Psychotherapie anzubieten. Die Berufsbezeichnung ist dann allerdings nicht Psychotherapeut, sondern Heilpraktiker im Bereich Psychotherapie (geringe Abweichungen von dieser Bezeichnung sind in den einzelnen Bundesländern möglich). Die Voraussetzung ist lediglich das Bestehen einer schriftlichen und mündlichen Prüfung zu u.a.  psychotherapeutischen Fragestellungen. Die Voraussetzungen für die Überprüfung und Zulassung seitens der Gesundheitsämter unterschiedlich. In der Vergangenheit war es oft möglich, ein Gesundheitsamt auszuwählen, dessen Überprüfungskriterien relativ niedrig sind. Dies ist über Tricks auch heute noch möglich. Aus diesem Grunde kann nicht davon ausgegangen werden, dass die in Deutschland tätigen Heilpraktiker (für Psychotherapie) einen gemeinsamen Bildungshintergrund aufweisen würden; das HPG schließt eine besondere Ausbildung als Voraussetzung für die psychotherapeutische Heil(praktiker)behandlung explizit aus! Daher lassen sich in der Masse der Heilpraktiker für Psychotherapie sowohl "Quacksalber" wieder finden, als auch diplomierte Psychologen, die Qualität der Behandlungen kann daher in nicht zu unterschätzender Weise beträchtlich schwanken. Das Heilpraktikergesetz bietet allerdings für Psychologen eine kostengünstige Möglichkeit, psychotherapeutisch tätig werden zu dürfen. Anstatt einer vom Staat nicht geförderten, sehr kostenintensiven Fortbildung um die Approbation zu erlangen, ist es Psychologen mit dem Ausbildungsschwerpunkt "klinischer Psychologie" möglich, die Erlaubnis zur Tätigkeit als Heilpraktiker (im Bereich Psychotherapie) unter vereinfachten Bedingungen zu erhalten. Leistungen, die im Rahmen der heilpraktischen Behandlung erbracht werden, werden nicht von den Krankenkassen übernommen, sie werden in der Regel privat mit dem Klienten abgerechnet.


Quellen und Literaturhinweise: